St. Gallische Kulturstiftung

2006, Herbst

Peter Roth

  • aus Unterwasser
  • Kunstpreis über Fr. 20000.– für die Region Toggenburg
  • Sparte: Musiker, Komponist, Chorleiter, Initiator

Urkunde

Peter Roth hat bis heute ein beeindruckendes musikalisches Werk geschaffen, das mit seiner Wahlheimat, dem oberen Toggenburg, eng verbunden ist, mittlerweile aber auch weit darüber hinaus strahlt.

Die «Toggenburger Passion», wohl eine seiner bedeutendsten Schöpfungen, oder das Requiem für Niklaus Meienberg, »Media vita», sind herausragende Beispiele seiner grossen Einfühlungskraft und Musikalität. Mit dem «Chorprojekt St.Gallen» hat Peter Roth über zwanzig eindrückliche Programme realisiert, die im besten Sinn von einem umfassenden Verständnis der Volksmusik und Volkskultur zeugen.

In seinem bisher wohl grössten Unternehmen mit dem Namen «Klangwelt Toggenburg», dessen Initiant und Entwickler er ist, stellt Peter Roth sich wiederum mit ganzer Kraft in den Dienst einer grossen Sache, die mit dem «Klangweg», dem «Klangfestival“ und schliesslich mit dem «Klanghaus» seine Vollendung finden soll und für das obere Toggenburg von immenser Bedeutung sein kann. Für seinen unermüdlichen Einsatz für die Musik und die Klänge seiner Toggenburger Heimat und für deren phantasievolle und kreative Vermittlung und Weiterentwicklung in die heutige Zeit verleiht ihm die St.Gallische Kulturstiftung den Jahrespreis 2006 und verbindet damit den Dank und die Anerkennung für sein gesamtes musikalisches Schaffen, aus dem er die Völker verbindenden Grundlagen für ein Verständnis `aus dem Geiste der Musik` schöpft. Dem auch politisch engagierten Musiker wünschen wir fortschreitendes Gelingen im äusserst ambitiösen Projekt «Klangwelt Toggenburg».

Laudatio von Jost Nussbaumer

Würde man es etwas salopp formulieren, so könnte man es vielleicht so ausdrücken: Was dem Sarganserland der Lavarini, ist dem Toggenburg der Roth!“ Peter Roth ist in der Stadt St.Gallen aufgewachsen und trat nach seiner Ausbildung zum Primarlehrer in Bühl bei Nesslau an einer Gesamtschule seine erste Lehrerstelle an, wo ihn das Toggenburger-Virus bereits nachhaltig erreichte. Seither lebt er hier und wirkt ab 1973 als freischaffender Komponist, Chor- und Kursleiter. Was sich so als nüchterner biografischer Rahmen anhört, umfasst bis heute ein Lebenswerk, das mit dem landschaftlichen und kulturellen Hintergrund seiner Wahlheimat aufs Engste verbunden ist und welches mittlerweile Wirkung und Ausstrahlung weit über die Grenzen dieses ländlichen Bezirks erzielt.

Der Komponist Roth steht mit dem Chorleiter Roth in einem ständigen und wesentlichen Austausch: Da ist einmal der Evangelische Kirchenchor von Alt St.Johann, dem Peter Roth seit 1973 als Leiter vorsteht und der den Komponisten Roth zu einer grossen Zahl von Werken anregte. Typisch ist diesen Werken das heimatliche, im Wesentlichen aus der Volksmusik entwickelte Klangidiom. Es bildet – zusammen mit den mundartlichen Texten – in vielen Kompositionen gleichsam die Brücke zu Musikanten und Zuhörern, wobei sich zu den Musikanten im Kirchenchor auch zwanglos mal ein Jodelchor einreiht, wie etwa in seiner St.Johanner Messe oder in den Toggenburger Psalmen.

In der Toggenburger Passion aus dem Jahre 1983 – sie darf zu seinen bedeutenden Schöpfungen gezählt werden – wird das heimatliche musikalische Idiom zusätzlich mit (während der Aufführung projizierten) Bildern von Willy Fries, der seinerseits das Passionsgeschehen auf toggenburgischem Landschaftshintergrund malerisch darstellte, kombiniert und verstärkt.

Seit Roth das Chorprojekt St.Gallen 1989 – als Fortführung des ehemaligen kantonalen Lehrergesangsvereins – betreut, prägt eine neue Facette, ich möchte sie umschreiben mit Brechungen – wesentlich sein Arbeiten. Da gibt es nun in seinen Programmen und in seinen Werken Gegenüberstellungen, die nicht nur Stilmittel, sondern vor allem auch Ausdruck eines umfassenderen Verständnisses von Volksmusik resp. Volkskultur sind. Da treffen dann auf die Klänge des Requiem von G. Fauré einmal mystisch entrückte Obertonklänge, ein andermal Jazzstücke von Miles Davis oder da werden ein andermal Brucknersche a cappella-Sätze mit gejodelten Toggenburger Psalmen konfrontiert.

In Media vita, einem Requiem für Niklaus Meienberg erweitert Roth diese Technik der Brechungen auch auf der textlichen Ebene, indem er den liturgischen Text des mittelalterlichen Hymnus media vita-Texten von Niklaus Meienberg und Texten der Toggenburger Mundartdichterin Elsbeth Maag gegenüberstellt und dazu eine meditative Musik auf einem von Bluesklang eingefärbten Hintergrund entwickelt. Diese für Roth so typischen Brechungen zielen auf eine neue Wahrnehmung von scheinbar vertrauten Klang- und Textäusserungen. So hat Peter Roth denn in rund zwanzig Programmen den Chorprojekten seinen eigenen, unverwechselbaren Stempel aufgesetzt.

Das Anliegen um die Werte der Volksmusik durchzieht das gesamte Schaffen von Peter Roth und beschränkt sich dabei nicht allein nur auf den Raum um den Säntis. Von einem so engen, sagen wir mal sehr national gefärbten Volksmusikverständnis, distanziert sich der auch politisch engagierte Musiker Roth vehement. Die Entdeckung gemeinsamer Elemente in verschiedensten Volkskulturen ist denn für ihn auch die Grundlage für ein völkerverbindendes Verständnis aus dem Geist der Musik. Und dieses Verbindende, das von der Musik ausgeht und in der Musik auch wieder zusammentrifft, steht als Idee hinter der neuesten Unternehmung, die Peter Roth tatkräftig initiiert und entwickelt. Es ist dies ein weitausholendes Projekt, das unter dem Label Klangwelt Toggenburg eine ganze Reihe von originellen und ambitiösen Aktivitäten umfasst:
– Ein Klangweg von der Alp Selamatt bis zu den Schwendiseen, der zu musikalischen Entdeckungen in der Natur selber und in originellen Installationen führt.
– ein Klangfestival in Alt. St.Johann, welches -ähnlich einer Musikfestwoche unter dem Thema NaturStimmen steht und von Naturjodel bis Gospel und mongolischen Obertongesängen interessante Begegnungen mit Musikkultur in umfassendem Sinne ermöglicht.
– Allerneuest steht die Realisierung eines Klanghauses, eines Begegnungs- und Ausbildungszentrums für Naturmusik bevor.

Peter Roth hat mit grosser Tatkraft, mit feinem Gespür (Gehör!) und grossem Respekt für die Klänge seiner Heimatwelt, mit Phantasie und kreativen Ideen sehr viel für die Kultur einer herrlichen Region unseres Kantons geleistet.

http://www.chorprojekt.ch