St. Gallische Kulturstiftung

2026, Frühjahr

Maj Lisa Dörig

  • aus St.Gallen
  • Förderpreis über Fr. 10000.– für die Region St.Gallen
  • Sparte: Bildende Kunst

Urkunde

Landschaften, Städte und Geschichten nennt Maj Lisa Dörig als Ursprung ihrer Bildwelten, die sie in unterschiedlichsten Materialien und Techniken von Hand schafft. Was collagenartig wirkt, ist meist gezeichnet oder gemalt. Ihre Arbeit besticht durch eine kompositorische Intensität und Komplexität, häufig kommt es zu einer Überlagerung verschiedenster Texturen – etwa in «Following Footsteps» (2024), wo sich ein Tier in der Dämmerung durch eine schemenhafte Landschaft bewegt. Ein Strauss an Spuren führt ins Narrativ ihrer entrückten Bilder, Menschen und ihre Rollen werden genau beobachtet.

Für die Vieldeutigkeit in ihren Motiven und ihre technische Brillanz wird Maj Lisa Dörig mit einem Förderpreis der St. Gallischen Kulturstiftung ausgezeichnet.

 

Laudatio, Céline Gaillard, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Maj Lisa Dörig zeichnet vielschichtige Bilder, in denen sie ihre aufmerksamen Beobachtungen von Landschaften und alltäglicher Umgebung zu neuen Geschichten verdichtet. Besonders zeichnet sie in unseren Augen aus, dass sie in ihrer künstlerischen Bildfindung stets in Bewegung ist. Sie arbeitet in St.Gallen und Zürich und kehrt regelmässig nach London zurück, wo sie 2024 ein Drawing Year an der Royal Drawing School absolvierte.

In der die Preisverleihung begleitenden Werkschau im Projektraum ist eine grosse, prozessuale Zeichnung der Künstlerin zu sehen. Diese besteht aus grossformatigen Papierbahnen, die für den jeweiligen Ausstellungsort neu zusammengesetzt, vernäht und weitergezeichnet werden. So verändert sich seit 2025 Format und Komposition von Ort zu Ort, während frühere Zustände im Bild erhalten bleiben. Nicht nur zeitliche Ebenen überlagern sich auf der Zeichnung, sondern auch unterschiedliche Farben: Pastellkreide, Farbstift und Filzstift. Mit dem elektrischen Radiergummi werden Schichten wieder abgetragen. So sind Aufbau und Abtrag Teil des Prozesses. Die Arbeit bleibt offen, sie wächst fortlaufend und reagiert auf ihre jeweilige Umgebung.

Insofern ist This Tale Grew in the Telling (Act III), 2025-2026, bezeichnend für das Bewegliche, das die Künstlerin im Moment fasziniert. Dieses Konzept des Auf- und Abtragens und neu Zusammensetzens erlaubt es ihr, sich spielerisch und lustvoll dem Bild immer wieder neu zu nähern. Das Konzept gibt einen Rahmen vor, das Ergebnis ist frei und veränderbar. Bewegung ist hier nicht nur bildlich zu verstehen – die Arbeit an den grossen Papieren erfordert auch ihre körperliche Bewegung beim Zeichnen. Geschichten entstehen aus dem Moment heraus und neue Verbindungen werden gefunden, so auch bei den drei kleinformatigen Ölkreidebildern, die daneben zu sehen sind.

Beweglichkeit finden wir auch in den anderen Arbeiten der Künstlerin wieder. Nicht umsonst ist eines ihrer Lieblingswerkzeuge, wie sie erzählt, der elektrische Gummi. Wenn sie mit Farbe mal eine Fläche geschaffen habe, könne sie mit diesem Radierer auch wieder Leerstellen machen – so bleibe das Zeichnen beweglich. Auch diese Leerstellen tragen zum verwunschenen Eindruck bei, den viele ihrer Werke wecken. Inspiration findet die Künstlerin zwar in den Landschaften und Städten, die sie umgeben, sowie deren Geschichten. Dabei erweist sie sich als stille Beobachterin, die die Realität aber auch solange verdichtet, dass neue, überraschende und auch irritierende Ebenen dazukommen.

Maj Lisa Dörig –  kompositorisch intensiv – vielschichtig – beweglich

https://majlisadoerig.ch/