St. Gallische Kulturstiftung

2026, Frühjahr

Felix Stöckle

  • aus Allschwil
  • Förderpreis über Fr. 10000.– für die Region Fürstenland
  • Sparte: Bildende Kunst

Urkunde

Felix Stöckles Arbeiten kombinieren traditionelle Materialien und Handwerkstechniken mit einem spielerisch-ironischen, zugleich scharfen Blick auf soziale, kulturelle und politische Mechanismen. Die Wirkung seiner künstlerischen Arbeiten gründet auf subtiler Irritation, hervorgerufen durch unerwartete Formgebungen und Materialentscheide sowie verzerrter Massstäblichkeit. Mittels dieser Gestaltungsstrategien überführt Stöckle Gewohntes ins Ungewisse. Seine Objekte und Installationen wirken oft eigenartig fragmentarisch, verweisen dabei verquer auf gängige Figuren oder Alltagssujets: roh in der Machart, präzise in der Idee. Stöckle spielt klug mit Symbolik, hinterfragt – stets zwischen Ernst und Humor pendelnd – Identität und Rituale. Seine Werke sind konzentrierte Setzungen, die weniger behaupten als befragen, und gerade hierdurch ihre nachhaltige Wirkung entfalten.

 

Laudatio, Céline Gaillard, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Felix Stöckle greift mit Leichtigkeit und Konsequenz kulturelle Bildwelten auf und überführt sie in neue, spielerische und mitunter irritierende Zusammenhänge – und er bewegt sich zugleich mit frischem Wind zwischen alternativen und institutionellen Kontexten.

In der Arbeit Bisous Moi Buddy begegnet uns ein leuchtendes Krabbentier, dessen Scheren angriffslustig geöffnet sind, während sein vermenschlichtes Gesicht Unsicherheit ausstrahlt. Gefertigt aus rosafarbenen Neonröhren, strahlt die Figur aus dem Innenraum hinaus in den Aussenraum des Zeughausareals. Trotz der industriellen Materialität bleibt die Handschrift des Künstlers sichtbar: Die Linien wirken wie gekritzelt, beinahe tastend. Das vermeintlich Vertraute kippt ins Ungewisse. Stöckles Bildfiguren entziehen sich eindeutigen Zuständen und erst recht moralischen Bewertungen.

Auch die zweite Arbeit, Johannes der Täufer, dann dachte ich an Meeresfrüchte, entfaltet ihre Wirkung über bewusste Brüche und Verschiebungen. Bereits der Titel legt ein Abschweifen offen, das sich in der Bildsprache fortsetzt. Das geköpfte Haupt Johannes des Täufers trifft in der popartigen Zeichnung auf selbstgebrannten Keramikkacheln auf bewaffnete Meerjungfrauen – eine Konstellation, die ikonografische Traditionen aufruft und sie zugleich wieder unterläuft.

Stöckles Arbeiten kombinieren traditionelle Materialien und Techniken mit einem spielerisch-ironischen, zugleich scharfen Blick auf soziale, kulturelle und politische Mechanismen. Seine bewusst reduzierte, scheinbar amateurhafte Formensprache kann ins Groteske kippen und erzeugt genau dadurch Reibung. Bedeutungen geraten ins Gleiten.

Stöckles künstlerischer Prozess ist geprägt von Experimentierfreude und handwerklicher Vielfalt: Druckgrafik, Keramik, Zeichnung und installative Elemente stehen gleichberechtigt nebeneinander. In diesem Arbeiten mit den Händen und dem Wechseln zwischen Techniken zeigt sich eine Haltung, die Kunst nicht als abgeschlossenes Produkt versteht, sondern als offenen, lebendigen Prozess.

Nicht zuletzt ist Felix Stöckle auch als Initiator und Vermittler eine prägende Figur: Er bewegt sich selbstverständlich zwischen Off-Spaces, kollektiven Projekten und etablierten Institutionen, beteiligt sich an Ausstellungen ebenso wie an gemeinschaftlichen Formaten und lädt andere dazu ein, Teil dieses künstlerischen Austauschs zu werden. Diese Offenheit und Freude am Teilen prägen sein Schaffen ebenso wie seine Werke selbst.

Felix Stöckle – unkonventionell, irritierend, assoziativ

https://felixstoeckle.ch/