St. Gallische Kulturstiftung

2026, Frühjahr

Aramis Navarro

  • aus St.Gallen / Rapperswil
  • Förderpreis über Fr. 10000.– für die Region See-Gaster
  • Sparte: Bildende Kunst

Urkunde

Aramis Navarro lebt seine eigene Sprache in seiner Kunst. Er verknüpft verschiedenste Materialien und Welten. Sein kaleidoskopisches Schaffen zeichnet sich durch eine spielerische Energie aus, die sich in der formellen Vielfalt seiner Werke widerspiegelt. Mit seiner offenen Neugier spaziert er von der Wortmalerei durch Soundskulpturen bis hin zu Rauminstallationen mit sprachbasierten Technologien. Angetrieben von einer unbändigen Lust und Intuition, unseren alltäglichen Sprachgebrauch auszuloten, entstehen Werke, die sich durch Poesie, Humor und eine ungezwungene Leichtigkeit auszeichnen.

Als vielbeachtetes Talent hat Aramis Navarro eine faszinierende Strahlkraftin seinem nicht einzuordnenden Kunstschaffen, das er bereits in etlichen Ausstellungen gezeigt hat, wofür ihn die St. Gallische Kulturstiftung mit dem Förderpreis auszeichnet.

 

Laudatio, Simone Kobler, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil

Aramis Navarro verknüpft und kombiniert Alltagserlebnisse, philosophische Gedanken und Wortakrobatik zu Kunstwerken in diversen Medien. 1991 geboren und in Rapperswil-Jona aufgewachsen, mietete sich Navarro von seinem ersten Lehrlingslohn ein Atelier und malte. Bereits als Autodidakt bewegte er sich erfolgreich in der Schweizer Kunstszene, bevor er sich zum Absolvieren eines Studienganges an der ZHdK entschied.

Die Backsteine in der Alten Fabrik standen im Kreis, versuchten Zeit sichtbar zu machen und lockten, den ersten Ziegel zu kippen. Die Zeit als abstrakte Konstruktion wurde im Gedankenspiel gekonnt erlebbar. Nicht sichtbare Dinge sichtbar machen, mit einem Augenzwinkern auf Nebensächliches verweisen und ihm damit Bedeutung geben, grosse Bögen schlagen und philosophische Fragen aufwerfen; Die Werke von Navarro wirken ungezwungen und tauchen aber zugleich in die Tiefe ein.

In seiner hier in der Förderpreis-Ausstellung gezeigten Serie useless eater verbindet Navarro zwei scheinbar einfache Motive – Brot und Tauben. Was einem Brot die endgültige Form gibt, ist das Formlose, so Navarro. Durch Fermentation entstehen Luftblasen im Teig. Die leeren Luftlöcher im Brot setzt Navarro mit individuellen Erfahrungen und Ereignissen gleich, die den Charakter formen. Bücher, Klänge, Orte oder Begegnungen sind die Luftblasen in uns – die uns Menschen zu dem machen, wer wir sind und werden. Die Passepartouts der Serie useless eater zeigen unter anderem Strukturen selbstgebackener Brote. Im Zentrum stehen Fotografien von Tauben. Tauben – einst verehrte Boten, werden heute ungeachtet ihrer Bedeutung für das Ökosystem gemeinhin als die «Ratten der Lüfte» verachtet. Der Vogel wird bei Navarro zum Sinnbild der menschlichen Angst, durch technologischen Fortschritt obsolet zu werden. Trotz ihrer scheinbaren Nutzlosigkeit füttern wir die Tauben mit Brot. Navarro fragt, wer uns Menschen einst ernähren wird, wenn wir – aussortiert von KI und Co – zu den nutzlosen Essern der Gesellschaft werden.

Worauf richten wir unseren Fokus im Alltag? Wie definieren wir uns selbst – und wie lassen wir uns definieren? Mit einer unbändigen Lust am Experiment lotet Navarro unseren Sprachgebrauch aus, übersetzt ihn in Zeichnungen, Collagen, Malereien, Skulpturen und Installationen. Dabei verbindet er Poesie mit Humor und Leichtigkeit mit Tiefgang. Aramis kombiniert in seinem Werk feinfühlig und pointiert. Er rührt und stupst an.

Aramis Navarro – wortakrobatisch-reflektierend, kritisch, hoffnungsvoll

https://aramisnavarro.com/