St. Gallische Kulturstiftung

2015, Frühjahr

Kaltehand/Natasha Waters
(Davide Rizzitelli und Natasha Waters)

  • aus St.Gallen und Zürich
  • Förderpreis über Fr. 10000.– für die Region St.Gallen
  • Sparte: Musik-Duo, Elektro-Pop

Urkunde

Das Elektropop-Duo «Kaltehand/Natasha Waters» erkundet mit eindrücklicher Passion die leuchtenden Fasern der Melancholie. Mit fühlbarer Leidenschaft weben sie atmosphärische Klangwelten, in denen sich die behutsam leuchtende Stimme von Natasha Waters mit Davide Rizzitellis sanft pochendem Synthesizer zu bewegenden Geschichten verbündet. Sie destillieren Sehnsüchte und machen sie an Rhythmen fest, die mutig emporsteigen. Auf diese Weise schaffen sie poetische Exkursionen mit grosser Ausstrahlung. Für ihre hingebungsvolle musikalische Arbeit zeichnet die St.Gallische Kulturstiftung «Kaltehand/Natasha Waters» mit dem Förderpreis aus.

Laudatio von Reni Schmitter, Stiftungsrätin

Der britische Schriftsteller Oscar Wilde hat in seinem Essay «Der Kritiker als Künstler» geschrieben: «Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst» Und den Grund für seine mutige Aussage liefert er gleich mit. Er sagt: «Sie (also die Musik) kann ihr letztes Geheimnis nie ganz enthüllen.» Oscar Wilde, bekannt für seine pointierten Aussagen, war sich ganz bestimmt bewusst, dass natürlich alle Künste ihr letztes Geheimnis nicht komplett enthüllen können und gerade dadurch ihre Attraktivität und ihre Aura entfalten. Umso schöner ist es, dass wir hier und heute künstlerische Geheimnisse würdigen und Künstler bei ihrer so wertvollen Arbeit unterstützen dürfen.

Ich freue mich sehr, heute Abend den zweiten Förderpreis der St.Gallischen Kulturstiftung an das Elektropop-Duo «Kaltehand/Natasha Waters» zu überreichen.

Als ich die Musik von «Kaltehand/Natasha Waters» zum ersten Mal gehört habe, war ich im Nu eingetaucht in Davides Klangwelten und war berührt von Natashas magischer Stimme. Ihre Musik besitzt eine unglaubliche Mischung aus Melancholie, treibenden Rhythmen und viel Sehnsucht. Und obwohl alle ihre Arrangements klar und direkt sind, bleiben sie für den Hörer, um mit Oscar Wilde zu sprechen, ein grosses Geheimnis. Mich beeindruckt es immer sehr, wenn Menschen mit ihrer Kunst etwas ganz Persönliches zum Ausdruck bringen und dabei nicht darauf aus sind, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Natasha Waters und Davide Rizzitelli, die beiden Menschen hinter dem Duo, besitzen genau diese Gabe. Sie investieren in ihre Musik vieles ihrer eigenen Geschichte. Das macht sie authentisch. Und trotzdem bleiben sie zurückhaltend und geben ihrer Musik viel Rätselhaftes. Womit wir wieder beim Geheimnis wären…

Neben dem Tiefgründigen besitzt ihre Musik Dynamik. Sie wirkt belebend, motivierend, aufstachelnd. Sie ist das Gegenteil von Resignation, vielmehr offenbart sie Mut und Energie. Die Musik von «Kaltehand/Natasha Waters» klingt bereits auf den heimischen Lautsprechern wunderschön. Und wenn die beiden auf einer Bühne stehen, dann erscheint ihre Kunst in vollem Glanz. Hiermit möchte ich meinen Wunsch äussern, dass die beiden bald wieder eine Bühne, vielleicht die des einzigartigen Palace in St.Gallen, beehren mögen und allen Anwesenden rate ich dringlichst, dann im Publikum zu stehen.

Vor ein paar Wochen habe ich mich mit den beiden treffen können, um etwas mehr über sie zu erfahren. Getroffen habe ich zwei sehr inspirierende Menschen, die mit einem Hang zum Authentischen ihr Leben führen und ihre Kunst produzieren. Die beiden Künstler kennen sich schon sehr lange. Auswendig und blind wissen sie über alle Nuancen bezüglich der musikalischen Eigenarten, der Arbeits- und Denkweise des jeweils anderen Bescheid. Gemeinsam haben sie sich musikalisch weiterentwickelt und ihre Symbiose perfektioniert.

Ich habe grossen Respekt vor der Art und Weise, wie beide die Musik in ihr Leben integrieren, ohne sich dabei ganz in ihr zu verlieren. Sie teilen den Anspruch, ihre Berufe – und ihre Berufung als Musiker – gut zu machen. Bei allem was sie tun, sind sie professionell, ernsthaft, begeistert, selbstkritisch und überzeugt. Es ist ein Fakt, dass es für Künstler jeder Couleur, bis auf einige Ausnahmen, unmöglich ist, ihr Leben ausschliesslich durch die Kunst zu bestreiten. Das ist eine traurige Tatsache und zugleich zeigen die beiden aber, wie fruchtbar es sein kann, wenn man sich die Kunst im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten muss. Vielleicht ist das eine etwas romantische Aussenansicht. Denn eigentlich wünsche ich den beiden natürlich, dass sie die Lohnarbeit ganz an den Nagel hängen können, um sich voll und ganz auf ihre Klangwelten zu konzentrieren.

In unserem Gespräch hat Natasha gesagt, dass für sie Musik das Dasein abrundet und für ihr seelisches Gleichgewicht so wichtig ist. Und für Davide ist die Musik die Erweiterung von alltäglichen Erfahrungen und Herausforderungen. Er sammelt Eindrücke bis sein Reservoir voll ist und bevor das ganze über die Ufer läuft, setzt er sich an seinen Synthesizer, ordnet, transformiert und verarbeitet alles bis daraus eine echte Aussage geworden ist. Bei Neuschöpfungen sind manchmal Rhythmus oder Klänge zuerst im Raum und Natasha lässt ihre Melodien und Texte dazu fliessen. Oft nimmt Davide aber auch Melodien und Lyrik von Natasha auf und entwickelt sie feinfühlig mit seinen Synthesizer Klängen weiter. Am Ende tüfteln sie gemeinsam, bis alles so ist, wie es sein soll.

Im Namen der St.Gallischen Kulturstiftung und ganz persönlich möchte ich euch zu eurer aussergewöhnlichen Arbeit beglückwünschen. Es ist eine grosse Freude, sich auf eure Musik einzulassen und mit ihr der eigenen Geschichte eine neue und besondere Facette hinzuzufügen. Ich wünsche euch, dass eure Leidenschaft für die Musik andauert, dass ihr noch viele tolle Alben aufnehmen werdet und dass ihr unablässig an eurem Geheimnis arbeitet. Herzlichen Glückwunsch «Kaltehand/Natasha Waters»!

http://kaltehandnatashawaters.ch