St. Gallische Kulturstiftung

2014, Frühjahr

Jörg Germann

  • aus Fontnas (Wartau)
  • Anerkennungspreis über Fr. 15000.– für die Region Sarganserland
  • Sparte: Schriftsteller

Urkunde

Drei Romane von Jörg Germann liegen in Buchform vor. Es sind in seinem reichen 83-jährigen Leben aber noch zahlreiche andere Texte von ihm publiziert worden – und ebenso viele noch nicht. Schreiben ist, neben der Musik, Germanns Lebensinhalt. Seine Gedanken über die Liebe und das Leben, das Alter und den Tod, aber auch die Auseinandersetzung mit Religion, Musik und Politik regen zum Nachdenken an. Germanns Literatur ist anspruchsvoll und hinterlässt Spuren. Für sein intensives Arbeiten und seine Dichterstimme zeichnet die St.Gallische Kulturstiftung Jörg Germann mit dem Anerkennungspreis aus.

Laudatio von André Schwizer, Rektor der Kantonsschule Sargans

Der Preisträger, Jörg Germann, ist seit über 50 Jahren schöpferisch tätig, sowohl literarisch als auch musikalisch. Er schloss sein Studium in Germanistik und Musikwissenschaft an der Uni Bern mit einer Dissertation über Joseph Haydns Streichquartette ab. Darauf wirkte er als Geiger im Städtischen Orchester St.Gallen. Anschliessend übernahm er von Max Heitz die Leitung des Orchesters der Musikfreunde während mehreren Jahren. 1963 wurde er als Lehrer für Deutsch und Musik an die neu gegründete Kantonsschule Sargans gewählt. Dort baute er die Schulbibliothek auf, die er mit viel Herzblut während 30 Jahren betreute. Die Förderung der Lesefreude der Schüler war ihm ein wesentliches Anliegen.

Gleichzeitig setzte er sich intensiv für den Instrumentalunterricht ein, so dass schon nach wenigen Jahren ein Schulorchester mit Einbezug von interessierten Lehrerkollegen gegründet werden konnte. Regelmässige Konzertaufführungen – mit und ohne Chor – förderten bei den Schülern sowie in der Bevölkerung das Interesse an gepflegter Musik.

Das von Jörg Germann geschriebene und vertonte Musical «Ein Pestalutz» wurde 1981 mit dem Orchester der Musikfreunde und dem Seminarchor, einstudiert durch den Musikerkollegen Josef Rüegg, in der Tonhalle unter Leitung von Germann uraufgeführt. Als Theaterstück inszenierte es Hans Bernhard Hobi mit dem Schultheater.

Aus Anlass des 500.Geburtstags von Huldrych Zwingli beauftragte der Zürcher Kirchenrat Jörg Germann, eine Ballade vom Leben und Sterben Huldrych Zwinglis zu verfassen. Der Text gleicht sich der Sprache jener Zeit an; der Musik liegen Melodien Zwinglis zugrunde. Das Werk für zwei Chöre und Solisten wurde an verschiedenen Orten als Kirchenkonzert aufgeführt. Die Uraufführung fand in Wildhaus, dem Geburtsort Zwinglis, unter der Leitung von Christof Nef statt. Ein letztes grosses Chor- und Orchesterwerk schuf Germann 1993 mit der Abendländischen Kantate.

Während seiner mehr als 30-jährigen Lehrtätigkeit an der Kantonsschule Sargans entwickelte Jörg Germann als Orchesterleiter und Komponist zusammen mit seinen Musikerkollegen über den Schulrahmen hinaus eine rege und fruchtbare musikalische Tätigkeit.

Nach diesem kurzen Einblick in das musikalische Wirken Jörg Germanns, das ihn sein ganzes Leben – bis zu seiner tragischen Hörstörung vor 20 Jahren – begleitet hat, soll nun sein literarisches Wirken zur Geltung kommen. Während der ganzen Zeit seiner Lehrtätigkeit war es ihm ein grosses Anliegen, seine Schülerinnen und Schüler nicht nur mit bedeutsamen literarischen Texten vertraut zu machen, sondern in ihnen die Lust auf eigenes Entdecken und sorgfältiges Formulieren der eigenen Gedanken zu wecken.

In der Öffentlichkeit wurde Germann bekannt durch Erzählungen, Kurzgeschichten und Essais. Die Erzählung «der/die/das Hechel» erfuhr an einer Solothurner Literaturtagung eine besondere Ehrung. Als Mitglied der Gruppe «Literatur im Sarganserland“ schreibt Germann seit Jahren Beiträge für die Zeitschrift «terra plana».

2004 erschien sein erster Roman mit dem Titel «Ellhorn». Das Ellhorn ist eine Bergspitze über dem Rhein; die steil abfallenden Felswände mit ihren Faltungen lassen eine bewegte Erdgeschichte erahnen. 2012 folgte der Roman «Frühlingsopfer im Auenwald». Im Vordergrund stehen das Ringen um den künstlerischen Ausdruck und die Frage nach Wahrheit und Menschlichkeit.

2013 erschien, wiederum im Petri Verlag Basel, der Roman «Serenata eines Clowns». Schon der Titel weist darauf hin, dass die Musik für den Verfasser bedeutungsvoll ist. In einem Interview mit einem Journalisten erklärte Jörg Germann: «Der Clown bin ich nicht, auch wenn er viel von mir hat.»

In den drei erwähnten Romanen gibt es beeindruckende Naturbeschreibungen, die im Leser bleibende Bilder zurücklassen. Liebe, Religion, Tod und die Frage: wer bin ich? sind zentrale Themen, die diesen Texten Gewicht verleihen.

Gegenwärtig arbeitet Jörg Germann konzentriert und begeistert an einem neuen Roman, der die Umbrüche zur Zeit des Ersten Weltkrieges thematisiert. Die heutige Ehrung gibt ihm Anstoss für weiteres Schaffen. Er wird nun Textstellen aus dem Roman «Serenata eines Clowns» vorlesen.